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Erfolgreiche Rettungsumsiedlung von Waldameisen

Waldameisen nehmen einen wichtigen Platz im gesamten Ökosystem des Waldes ein. Da bereits seit Jahrzehnten eine starke Dezimierung ihrer Bestän-
de in weiten Teilen des ursprünglichen Verbreitungsgebietes zu verzeichnen ist, sind ihre aktuellen Vorkommen gemäß § 44 des Bundesnaturschutzge-
setzes vor schädigenden Eingriffen jeglicher Art zu schützen. Wenn jedoch gemäß § 45 BNatSchG eine Ausnahme von diesem Verbotstatbestand erwirkt wird, bleibt oftmals nur die Rettungsumsiedlung als einzige Möglichkeit, Waldameisenvölker vor ihrer Vernichtung zu bewahren.

Im Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der Bundesautobahn A 14 im Bereich der Autobahnanschlussstelle Klinga war die Umsiedlung von Wald-
ameisen als eine wesentliche Ausgleichsmaßnahme festgelegt worden, da ihr angestammter Lebensraum durch Überbauung verloren gehen würde. Die Realisierung der Umsetzung erfolgte im Frühjahr 2007 vor Beginn der eigent-
lichen Bauarbeiten. In der Zeit vom 20.04. bis 03.05.2005 wurden von Mitarbei-
tern des NABU-Naturschutzinstitutes 24 Nester unterschiedlicher Größe (das größte hatte einen Durchmesser von drei Metern und eine Höhe von einem Meter) in reiner Handarbeit umgesetzt.


Entnahme des für die Umsiedlung vorgesehenen Nestes am Altstandort.

Jedes Nest wurde schichtweise abgetragen und das entnommene Nestmate-
rial sofort in Stoffsäcken zu den eigentlichen Transportbehältern gebracht. Die im Nest vorhandenen Baumstubben wurden in der Regel immer mit entnom-
men. Anschließend wurde das gesamte Material zum Umsiedlungsstandort gefahren, dort schichtweise wieder ausgebracht und der Außenrand zudem mit einem etwa 30 Zentimeter breiten Gürtel aus Nadelstreu versehen. In den ersten Tagen nach der Umsetzung erfolgte eine tägliche Zufütterung der Ameisen mit Zuckerwasser. Bei guter Bautätigkeit und verstärktem Aufsuchen von Nahrungsbäumen konnte die Zufütterung nach und nach reduziert und später völlig eingestellt werden. Zur Abweisung von Wildschweinen erhielten die neuen Neststandorte Schutzgatter aus Fichtenstangen.


Das Ameisennest nach der Rettungsumsiedlung am Ersatzstandort.
Fotos: Gerhard Fröhlich

Nach der zuletzt durchgeführten Kontrolle am 10.09.2008 kann die durchge-
führte Rettungsumsiedlung als sehr erfolgreich eingeschätzt werden. In der Fachliteratur wird die Erfolgsquote bei Rettungsumsiedlungen mit 40 bis
60 Prozent angegeben, bei der hier beschriebenen Umsiedlung liegt sie bei 75 Prozent.


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