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Reptilienschutz

Nach der Bundesartenschutzverordnung sind alle in Deutschland vorkommen-
den Reptilien besonders geschützt. Die Zauneidechse (Lacerta agilis) ist zudem im Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführt und zählt dadurch zu den streng geschützten Arten in Deutschland. Ihre Lebensräume sind häufig von Bauprojekten betroffen. Durch eine Vermeidung von Beeinträchtigungen durch zeitlich vorgezogene Vermeidungs- und Kompensationsmaßnahmen (CEF-Maßnahmen) kann in vielen Fällen die Funktionssicherung von Fortpflan-
zungs- und Ruhestätten gewährleistet werden. Eine spezielle Maßnahme bei drohenden Habitatvernichtungen sind Umsiedlungen und gegebenenfalls Zwischenhälterungen. Sie sollen in erster Linie Tötungen und Verletzungen von Tieren während der Bauphase vermeiden. Die ursprüngliche Lebens-
gemeinschaft wird im Fall von Umsiedlungen aber meist vernichtet.


Gesamtansicht der Fangzaunanlage in Großenhain.

Das NSI hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Fachgutachten zum Reptilienschutz erarbeit und auch Zauneidechsenumsiedlungen durchgeführt. Eine Umsiedlung mit Zwischenhälterung erfolgte 2010 in Großenhain. Auf einer ehemals militärisch genutzten Brache war die Errichtung eines Solar-
parkes geplant. Im Rahmen der Erstellung des artenschutzrechtlichen Gutachtens zum Bebauungsplan wurde der Verdacht geäußert, dass das Plangebiet möglicherweise von einer Zauneidechsenpopulation unbekannter Größe als Habitat genutzt wird. Als Verdachtsgebiet wurde im Wesentlichen das nähere Umfeld eines sich in der Mitte des Grundstücks befindlichen Betonzaunes mit einer Länge etwa 200 m angesehen.


Ausgesetzte Zauneidechsen auf einem Sandhügel innerhalb der Hälterungsfläche in Großenhain.

Der Aufbau eines ca. 430 m langen Fangzaunes mit insgesamt 43 Fang-
eimern erfolgte am 26.05.2010. Bis zum Abbau des Zaunes am 24.06.2010 wurden die Fangeimer je nach Witterungsverlauf täglich oder im Abstand von höchstens zwei Tagen kontrolliert, wobei Anzahl und Geschlecht der gefange-
nen Tiere notiert wurden. Anschließend wurden die Zauneidechsen einzeln in Transportgefäße gesetzt und ins Naturschutzinstitut nach Wurzen zur Zwischenhälterung gebracht. Mit der zunehmenden Zahl von abgefangenen Zauneidechsen reichten die drei großen zur Zwischenhälterung eingerichteten Terrarien nicht mehr aus und es wurde eine Fläche zur Freilandzwischenhäl-
terung überkletterungssicher eingezäunt. Der bereits mit Steinaufschüttungen und Sandflächen ausgestattete Bereich hat eine Flächengröße von 1500 m². Nach Abschluss der Bauarbeiten im Spätsommer 2011 wurde der Zaun abgebaut und den Zauneidechsen eine Wiederbesiedlung ihres ursprüng-
lichen Lebensraumes ermöglicht.


Fangzäune im B-Plangebiet der Biogasanlage Waldpolenz.

Eine weitere Umsiedlung, jedoch ohne Zwischenhälterung, erfolgte 2011 auf einer bisher brachliegenden Teilfläche im Nordwesten des ehemaligen Militärflugplatzes Waldpolenz. Hier ist die Errichtung einer Biogasanlage geplant. Im Artenschutzfachbeitrag zum Bauvorhaben wird ein Gesamtbestand von deutlich mehr als 50 Eidechsen innerhalb des gesamten B-Plangebietes angenommen. Als Maßnahme zur Sicherung der kontinuierlichen ökolo-
gischen Funktionalität wird eine Umsetzung von Zauneidechsen aus dem Baufeld vorgeschlagen. Es wurden insgesamt 800 m Fangzaun mit insgesamt 116 Fangeimern errichtet. Während der vierwöchigen Fangperiode wurden 47 Zauneidechsen und 20 Waldeidechsen umgesiedelt. Zudem wurden mit Kammmolch, Erdkröte, Springfrosch und Teichfrosch vier Amphibienarten in den Fangeimern vorgefunden.


Ergebnis eines Fangtages in Waldpolenz im Sommer 2011.
Fotos: © NSI Leipzig


Lage der Fangzäune im B-Plangebiet der Biogasanlage Brandis 2011.
(Quelle: Google Earth Pro, Lizenz-Nr. DE 238 143 027 84)


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